11. April 2014 | Anfragen und Anträge | Thema: Gesundheitspolitik, Umweltschutz | Region: Bayern, Unterfranken

Anfrage

von Thomas Mütze

Schriftliche Anfrage des Abgeordneten Thomas Mütze (GRÜ) vom 06.03.2014: Ehemaliger Militärstützpunkt Mainbullau Anlagen: 3 Abdrucke dieses Schreibens Sehr geehrte Frau Präsidentin, die Schriftliche Anfrage beantworte ich wie folgt: 1. Wurde zu diesem Militärgelände eine historische Erkundung auf das Vorliegen von Altlastverdachtsstandorten durchgeführt? Ja, für das Gesamtgelände wurde vom Büro WBI Umwelttechnik Nürnberg eine historische Erkundung durchgeführt. 2. Wenn ja, handelt es sich bei dem ehemaligen amerikanischen Militärstandort um einen Altlaststandort bzw. einen Altlastverdachtsstandort und – 2 – welches Gebiet ist genau von Altlasten betroffen? Die Liegenschaft besteht aus mehreren Funktionseinheiten (Launching Area, Refueling Area, Housing Area, Motorpool und Control Area). Auf dem insgesamt ca. 30 ha umfassenden Altlastverdachtsstandort wurden im Rahmen der historischen Erkundung 50 kontaminationsverdächtige Flächen erhoben. Nach der orientierenden Untersuchung verblieben sechs Teilflächen, die einer Detailuntersuchung zu unterziehen waren; für die übrigen Flächen konnte bereits zu diesem Zeitpunkt der Altlastverdacht ausgeräumt werden. Ergebnis der Detailuntersuchung war, dass sich der Altlastverdacht nur bei zwei dieser Flächen (KF 14 und KF 41) bestätigte. Bei der Fläche KF 14 ist die Sanierung bereits abgeschlossen. Die Fläche KF 41 (ca. 600 m²) in der „Control Area“ – ein Ölschaden – ist noch in Bearbeitung. 3. Ist dieses Gebiet im nichtöffentlichen Teil des Altlastenkatasters? Die Fläche KF 41 ist im bayerischen Altlastenkataster mit der Katasternummer 67600906 aufgeführt. Die sanierte Fläche KF 14 ist aus dem Kataster gelöscht. 4. Welche Schadstoffe könnten aufgrund der historischen Nutzungsgeschichte auftreten? Aufgrund der Nutzungsgeschichte war in erster Linie mit Ölverunreinigungen (Mineralölkohlenwasserstoffen, MKW), teilweise auch zusammen mit aromatischen Kohlenwasserstoffen (Benzol, Toluol, Ethylbenzol, Xylol, BTEX), polycyclischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK), leichtflüchtigen halogenierten Kohlenwasserstoffen (LHKW) und Schwermetallen zu rechnen. Im Bereich der Raketendepots konnte ferner mit Belastungen durch polychlorierte Biphenyle (PCB) und Pentachlorphenol (PCP) gerechnet werden. Bei den im Bereich der Housing-Area vorhandenen Chemikalienlagern waren zudem Verunreinigungen durch Flüssigtreibstoff nicht ausgeschlossen. Für rüstungsspezifische Stoffe (Kampf- und Explosivstoffe) ergaben sich keine Anhaltspunkte. – 3 – 5. Wurden orientierende Untersuchungen auf die Schadstoffbelastung und ihre Größe bzw. Umfang durchgeführt? Eine orientierende Untersuchung wurde vom Büro ARCADIS Tritschler und Partner GmbH durchgeführt. 6. Welche Schadstoffe bzw. Altlasten in welchen Konzentrationen wurden auf dem Gelände a) bereits wann gefunden (bitte mit genauer Angabe des Schadstoffnamens, der Schadstoffmenge, der Konzentration und der Ursache b) und welche werden noch vermutet? Im sanierungsrelevanten Umfang wurden ausschließlich MKW- und BTEXVerunreinigungen ermittelt. Ein Ölschaden im Bereich „Motorpool“ wurde bereits vor Durchführung der historischen Erkundung saniert; dabei wurde das kontaminierte Erdreich vollständig ausgehoben und beseitigt und die Baugrube hinterher mit unbelastetem Material verfüllt. Der bereits sanierte MKW- und BTEX-Schaden KF 14 war an der Standortkläranlage im Bereich der „Refueling Area“ entstanden. Die Sanierung wurde unter gutachterlicher Begleitung durch den Rückbau der Kläranlage und den Austausch des Bodens durchgeführt. Auf der Fläche KF 41 in der „Control Area“ wurden im Rahmen der Detailuntersuchung 2005 Verunreinigungen durch MKW mit Gehalten bis zu 15.000 mg/kg und BTEX bis zu 22,1 mg/kg vorgefunden. Vom Gutachter wurde festgestellt, dass aufgrund des Jahre zurückliegenden Schadstoffeintrags davon auszugehen ist, dass momentan ein Gleichgewichtszustand vorliegt, bei dem spontan keine weiteren MKW-Phasen versickern. Mit einem Abschluss des in Folge der Beteiligung der US-Streitkräfte als Verursacher aufwändigen Verwaltungsverfahrens ist 2014 zu rechnen. Es gibt keine Anhaltspunkte dafür, dass noch weitere Schadstoffe in sanierungsrelevanten Umfang zu finden sind. – 4 – 7. Welche Sicherungsmaßnahmen sind auf den betroffenen Grundstücken vorhanden, sind die betroffenen Grundstücke frei zugänglich und wer ist derzeit Eigentümer und/oder Nutzer der Grundstücke? Die Stadt Miltenberg ist Grundstückseigentümerin der Funktionsbereiche “Housing Area”, „Motorpool” und “Control Area”. In den Bereichen “Launching Area“ und „Refueling Area“ wurden von der Bundesrepublik Deutschland als bisherige Eigentümerin verschiedene Grundstücke an Privatpersonen verkauft. Im Bereich der „Control Area“ besteht eine Einzäunung um die betroffenen Grundstücke; sie sind ausschließlich den Bediensteten der Stadt Miltenberg als Grundstückseigentümerin zugänglich. Eine Sicherungsmaßnahme ist nicht erforderlich.

Thomas Mütze, 6.03.2014

Beantwortet: Staatsminister Dr. Marcel Huber 02.04.2014

Antwort als PDF ansehen