11. April 2014 | Anfragen und Anträge | Thema: Bildungspolitik | Region: Bayern

Anfrage

von Thomas Mütze

BAYERISCHES STAATSMINISTERIUM FÜR BILDUNG UND KULTUS, WISSENSCHAFT UND KUNST Anfrage des Abgeordneten Thomas Mütze, Bündnis 90/DIE GRÜNEN, zum Plenum am 08.04.2014 _________________________________________________________________ „Da Korrekturbögen eine Arbeitserleichterung für die Korrigierenden bedeuten, grö-ßere Transparenz der Beurteilungskriterien für die Schülerinnen und Schüler gewäh-ren sowie frühzeitig Erwartungen klarlegen, frage ich die Staatsregierung mit welcher Begründung Korrekturbögen in manchen Regierungsbezirken Bayerns erlaubt sind und manchen nicht, welche Regelung es diesbezüglich in Bayern gibt (aufgeführt nach Schularten und Regierungsbezirken) und wie die Staatsregierung die Ver-gleichbarkeit der Leistungserfassung sieht, wenn innerhalb Bayerns diesbezüglich mit zweierlei Maß gemessen wird?“ Antwort des Staatsministeriums für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst: • Dem Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst sind un-terschiedliche Vorgaben zur Korrektur von Deutsch-Aufsätzen in den Regierungs- bzw. Ministerialbeauftragten-Bezirken nicht bekannt. • Für die Leistungsmessung und –bewertung gelten in allen Schularten und Regie-rungsbezirken die Regelungen des Art. 52 BayEUG. Bezogen auf die Korrektur von Deutsch-Aufsätzen wird grundsätzlich gemäß der Vorgabe des KMS Nr. VI.4 – 5 S4402.5 – 6.81513 vom 03.09.2007 verfahren: „Eine Schematisierung des Beurteilungs- und Bewertungsverfahrens im Sinne der starren Anwendung eines Kriterienkatalogs und der Einzelbewertung von Teilas-pekten wird schriftlichen Arbeiten im Fach Deutsch nicht gerecht, da es sich bei ihnen in aller Regel um komplexe sprachliche und gedankliche Leistungen han-delt. Die Beschränkung auf mehrgliedrige Schemata mit einer bloßen Umrech-nung der addierten Bewertungseinheiten in Noten führt dazu, dass Analyse, Beur-teilung und Bewertung einer Schülerleistung auf das formalisierte Kriterienfeld re-duziert werden. Charakter und Wert einer Leistung lassen sich so nicht ganzheit-lich erfassen. Einzelkriterien müssen in das Gesamturteil eingehen und es trans-parent machen, sie können aber nicht an seine Stelle treten. Das Gesamturteil wird in einer Schlussbemerkung erläutert, die die wesentlichen Beurteilungsge-sichtspunkte berücksichtigt, dem Schüler in transparenter Weise Auskunft über – 2 – den erreichten Leistungsstand gibt und auf Vorzüge wie noch vorhandene Mängel hinweist.“ (S. 4) • Diese Grundsätze finden in den verschiedenen Schularten und Altersstufen mit Blick auf die jeweiligen pädagogischen und fachlichen Erfordernisse Anwendung: Gemäß §§ 37 ff. GrSO sind den Schülerinnen und Schülern der Grundschule die Bewertung der Leistungen mit Notenstufe und die Begründung für die Benotung zu eröffnen. Über die Form der Begründung für die Benotung entscheiden die Schulen im Rahmen ihrer pädagogischen Verantwortung. Formatspezifisch und klug konzipierte Kriterienkataloge können als Unterstützung für Eltern, Schüler und Lehrkraft dienen, insbesondere beim Einüben der unterschiedlichen Schreibformen. Sie ersetzen in den weiterführenden Schularten aber nicht das bei Leistungserhebungen (Proben/Schulaufgaben) in einer Schlussbemerkung transparent zu machende Verbalurteil, da dieses die individuelle Leistung der Schülerin bzw. des Schülers beschreibt und wertvolle pädagogische Hinweise beinhaltet. In § 53 RSO ist hierzu z. B. Folgendes geregelt – was analog auch in Mittelschule, Gymnasium und den beruflichen Schulen gilt: §53 Abs. 2 RSO: 1Erläuterungen und Schlussbemerkungen können auf Arbeiten angebracht werden. 2Bei Schulaufgaben im Fach Deutsch muss dies geschehen. • Ziel jeder Aufsatzbewertung ist unbestritten, die Schülerleistung adäquat zu erfassen und die Bewertungskriterien transparent zu machen – dies ist der fachliche und pädagogische Auftrag für alle Lehrkräfte. Starre Kataloge und Gewichtungen können der individuellen Schülerleistung jedoch gerade nicht gerecht werden. Soweit Kriterienkataloge als Ergänzung der individuellen Schlussbemerkung zu Hilfe genommen werden, muss daher aus den o.g. Gründen sichergestellt sein, dass weder eine Abbildung der Notenskala bei Teilleistungen erfolgt noch Punktewerte mittels eines Schlüssels in Noten umgerechnet werden (angemessen ist z. B. eine Skalierung, die mit „+“ und „-“ arbeitet). So kann mit einer Dokumentation von Einzelkriterien ein Mehrwert verbunden sein, ohne einen mechanischen und nicht zutreffenden Bewertungsvorgang zu suggerieren. Kriterienkataloge können daher nur Additum zur Schlussbemerkung sein. Die Frage der Vergleichbarkeit der Leistungserfassung ist insoweit nicht tangiert, da alle Lehrkräfte in Bayern gehalten sind, in pädagogischer Verantwortung der individuellen – 3 – Schülerleistung hinsichtlich der spezifischen Anforderungen der jeweiligen Schreibform und Altersstufe gerecht zu werden. In der Wahl der Hilfsmittel sind die Lehrkräfte frei. München, den 8. April 2014

Thomas Mütze, 08.04.2014

Beantwortet: BAYERISCHES STAATSMINISTERIUM FÜR BILDUNG UND KULTUS, WISSENSCHAFT UND KUNST 10.04.2014

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