19. September 2013 | Anfragen und Anträge | Thema: Bildungspolitik | Region: Aschaffenburg, Unterfranken

Anfrage

von Thomas Mütze

Die Anfragen enthalten folgenden Vorspruch: „Am Bayerischen Untermain sind in der jüngsten Vergangenheit vermehrt Klagen von Eltern, Lehrkräften und Schulleitungen insbesondere der Grundschulen zu hören, dass in den Grundschulen der Region 1, kaum mehr „Stammpersonal” vorhanden sei, um eine kontinuierliche pädagogische Schulentwicklung zu garantieren und insbesondere einen jährlichen Klassleitungswechsel zu vermeiden. Als großes Problem stellt sich die hohe Personalfluktuation am Bayerischen Untermain dar.“ Frage 1: Wie viele Lehrkräfte im Angestelltenverhältnis sind in Bayern aktuell im Schuljahr 2012/13 insgesamt zur Sicherung der vorgeschriebenen Unterrichtsversorgung in den Grundschulen eingesetzt und wie hat sich die Anzahl dieser Verträge in den letzten fünf Jahren entwickelt? Frage 2: Wie verteilt sich die Anzahl der Lehrkräfte im Angestelltenverhältnis in den Grundschulen im aktuellen Schuljahr 2012/13 auf die einzelne Regierungsbezirke und die jeweiligen Schulamtsbezirke (auch hier die Entwicklung der letzten fünf Jahre)? Antwort zu den Fragen 1 und 2: Da für die Versorgung der Grundschulen auch Lehrkräfte mit der Lehrbefähigung für Volksschulen (alte Lehrerbildung) zur Verfügung stehen und damit eine trennscharfe Beantwortung der Fragen nicht möglich ist, wird im Folgenden die Fragestellung auf die Grund- und Mittelschulen bezogen beantwortet. Die Situation der ganzjährigen Verträge kann beiliegender Tabelle 1 entnommen werden. Sie zeigt die Zahl der beim Freistaat Bayern beschäftigten voll- und teilzeitbeschäftigten Lehrkräfte umgerechnet auf Vollzeitlehrereinheiten für die verbeamteten, die unbefristet sowie die befristet angestellten Lehrkräfte in regionaler Gliederung und in der zeitlichen Entwicklung seit 2008/09. Dargestellt wird zudem die relative Verteilung der Lehr- 3 – kräfte auf die genannten Rechtsverhältnisse. Grundlage hierfür sind die jeweils zum Stichtag 1. Oktober an den Grund- und Mittel-/Hauptschulen im Rahmen des Verfahrens Amtliche Schuldaten an den staatlichen Schulen gemeldeten Lehrkräfte. Hingewiesen wird darauf, dass bei den aufgeführten Rechtsverhältnissen unterrichtende Beamte im Ruhestand sowie Lehrkräfte in sonstigen Rechtsverhältnissen nicht enthalten sind. Die Auswertung der Daten über die Beschäftigungsverhältnisse der letzten fünf Jahre belegt, dass mehr als 96% aller Beschäftigungsverhältnisse bayernweit unbefristet vergeben wurden. Damit sind auch im schulartübergreifenden Vergleich eine qualitativ hohe Quote und die Grundlage für ein erhebliches Maß an Kontinuität in der Personalversorgung gegeben. Frage 3: Worin unterscheidet sich die Region Bayerischer Untermain bei der Beschäftigung von Lehrkräften im Angestelltenverhältnis von den übrigen Regionen in Bayern? Antwort zu Frage 3: Auch für den Regierungsbezirk Unterfranken ist zunächst eine Beschäftigungsquote (unbefristet) von derzeit 96,9% ausgewiesen. Damit ist eine Stellensituation gegeben, die langfristige Planungen sowie eine kontinuierliche Schulentwicklung ermöglichen. Die Zuständigkeit für die personelle Versorgung der einzelnen Schulamtsbezirke liegt bei der Regierung von Unterfranken. Eine differenzierte Betrachtung der Einzelwerte aufgeschlüsselt nach Schulamtsbezirken zeigt, dass der Personalbedarf von 8 der 9 Schulamtsbezirke mit mehr als 95% an unbefristet beschäftigtem Personal gedeckt wurde, darunter auch der Schulamtsbezirk Aschaffenburg Stadt und Land (95,9%). Lediglich im Schulamtsbezirk Miltenberg ist eine geringere Quote (89,3%) zu verzeichnen, die insbesondere durch die Einsatzwünsche der Bewerber in Unterfranken begründet ist. – 4 – Frage 4: Trifft es zu, dass in der Region 1 Bayerischer Untermain zugewiesene Planstellen für Grundschulen durch Angestelltenverträge besetzt werden müssen, weil Planstellenbewerber nicht vorhanden sind und wenn ja, wo und was sind die Gründe? Antwort zu Frage 4: Die Landkreise Miltenberg und Aschaffenburg liegen eher an der Peripherie des Regierungsbezirks Unterfranken. Demzufolge gibt es kaum Bewerbungen von Lehrkräften für diesen Schulamtsbezirk. Um die Versorgung sicherzustellen, müssen jedes Jahr Lehrkräfte mit anderen Einsatzwünschen dort eingesetzt werden. Da Unterfranken einen erheblichen Schülerrückgang verzeichnet, verbleiben aus der Gruppe der einzustellenden Bewerber zumeist nur verheiratete Lehrkräfte im Regierungsbezirk. Soweit solche Lehrkräfte in Miltenberg eingesetzt werden, dort jedoch nicht wohnen, streben diese regelmäßig eine Versetzung in die Nähe ihres Wohnortes an. Es ist äußerst schwierig, diesen Lehrkräften die Versetzung längerfristig ausschließlich aus dienstlichen Gründen zu versagen. Diese Situation begründet primär auch den häufigen Wechsel von Lehrkräften. Nach Auskunft der Regierung von Unterfranken wurden innerhalb des Regierungsbezirks zum Schuljahr 2013/2014 insgesamt 187 Versetzungsanträge von fest eingestellten Lehrkräften (auf Planstelle) gestellt, davon 63 aus dem Schulamtsbezirk Aschaffenburg und 64 aus dem Schulamtsbezirk Miltenberg. Dies entspricht einem Anteil von 68 % der gesamten Versetzungsbewerber in Unterfranken. Nach Auskunft der Regierung von Unterfranken wurden Versetzungsgesuche aus den Landkreisen Miltenberg und Aschaffenburg in andere Landkreise nur in begründeten Härtefällen berücksichtigt. Diese Situation zeigt, dass generell wenige Bewerber einen Einsatz in der Region Untermain anstreben. Sofern die für die Unterrichtsversorgung benötigten Bewerber für die Region Untermain die Einstellungsbedingungen für eine Planstelle nicht erfüllen (zum Schuljahr 2013/2014: GS 2,22, MS 2,99), erhalten sie das Angebot auf einen Arbeitsvertrag. Damit kann unter – 5 – Umständen die Situation erzeugt werden, dass auch Bewerber mit befristeten Arbeitsverträgen am Untermain zum Einsatz kommen. Tabelle als PDF

Thomas Mütze, 17.0.2013

Beantwortet: Dr. Ludwig Spaenle Staatsminister 12.09.2013

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