17. Mai 2013 | Anfragen und Anträge | Thema: Bildungspolitik | Region: Bayern

Anfrage

von Thomas Mütze

Grundschule: Die bayerische Grundschule weist kein gesondertes Fach Astronomie in der Stundentafel aus. Vielmehr sind entsprechende kindgemäße Inhalte in das Fach Heimat- und Sachunterricht integriert, darunter die Themen „Tag und Nacht“ sowie „Jahreslauf“ in Jahrgangsstufe 1 sowie „Orientierung“ mit verschiedenen Hilfsmitteln in Jahrgangsstufe 3 bzw. 4. Darüber hinaus können in jeder Jahrgangsstufe im Fach Heimat- und Sachunterricht im Rahmen des eigenen (d. h. frei wählbaren) Themas astrono- Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus – 2 – mische Inhalte aufgegriffen und kindgemäß erarbeitet werden. Das eigene Thema soll sich aus der aktuellen und besonderen Interessenhaltung der Schülerinnen und Schüler ergeben und das exemplarische Lernen ermöglichen. Mittelschule: In Jahrgangsstufe 5 werden in der Mittelschule im Fächerblock Geschichte/ Sozialkunde/Erdkunde Lerninhalte aus der Astronomie behandelt, konkret verschaffen sich die Schülerinnen und Schüler einen Überblick über die Entstehung der Erde sowie ihre Stellung im Sonnensystem. Realschule: An der Realschule werden ausschließlich die Schüler der Jahrgangsstufe 8, die die Wahlpflichtfächergruppe I (mathematisch-naturwissenschaftlichtechnischer Bereich) gewählt haben, in Astronomie unterrichtet. Dies erfolgt nach Lehrplan mit insgesamt 8 Wochenstunden. Inhaltlich sollen folgende Themenbereiche behandelt werden: • Überblick über die verschiedenen Weltbilder (geozentrisch, heliozentrisch) • Unser Sonnensystem • Milchstraßensystem – Galaxien – Weltall Manche Schulen bieten zusätzlich einen Wahlunterricht zu Astronomie an. Gymnasium: In Jahrgangsstufe 10 sieht der Lehrplan im Fach Physik den Abschnitt „Astronomische Weltbilder“ vor; darin enthalten sind auch die Keplerschen Gesetze der Planetenbewegung. Ferner wird in der Mechanik das Gravitationsgesetz und seine Anwendung auf astronomische Fragestellungen behandelt. In Jahrgangsstufe 12 des bayerischen Gymnasiums besteht die Möglichkeit, statt des Fachs Physik die Lehrplanalternative Astrophysik im Umfang – 3 – von drei Wochenstunden zu belegen. Schülerinnen und Schüler, die sich für Astrophysik entscheiden, können die Abiturprüfung im Fach Physik sowohl schriftlich als auch mündlich ablegen; für Astrophysik ist in der schriftlichen Abiturprüfung dann eine entsprechende Aufgabengruppe zu bearbeiten, welche die Aufgabengruppe zum Stoff der Jahrgangsstufe 12 ersetzt. Neben der Lehrplanalternative Astrophysik können die Gymnasien ferner Astronomie als Wahlunterricht anbieten. Berufliche Schulen: An den beruflichen Schulen sieht der Lehrplan keine Lerninhalte aus der Astronomie zur Behandlung vor. 2) Sieht die bayerische Staatsregierung Handlungsbedarf bei der Einführung eines Astronomie-Unterrichts an bayerischen Schulen, aufgegliedert nach Schulformen und Jahrgangsstufen? Grundschule: Für den Bereich der Grundschule wird von Seiten des Staatsministeriums kein Handlungsbedarf hinsichtlich der Einführung eines gesonderten Astronomie- Unterrichts gesehen. Gerade die Mehrperspektivität des Heimatund Sachunterrichts ermöglicht den Kindern, unterschiedliche fachliche Zugänge zu beschreiten, sachliche Zusammenhänge herzustellen, Vernetzungen zwischen Inhaltsbereichen zu erfahren und Ausschnitte ihrer Lebenswirklichkeit zunehmend differenziert wahrzunehmen. Mittelschule: Auch für die Mittelschule wird kein Handlungsbedarf gesehen. Grundlagen der Astronomie werden durch entsprechende Lerninhalte im Fächerblock Geschichte/Sozialkunde/Erdkunde vermittelt. – 4 – Realschule: Laut der zuletzt durchgeführten Lehrplanumfrage wünschen sich viele Lehrerinnen und Lehrer, dass der Bereich „Astronomie“ im neuen Lehrplan nicht mehr berücksichtigt wird. Oftmals ist es aus Zeitgründen nicht möglich, diesen Themenkomplex zu unterrichten. Für die Abschlussprüfung ist der Themenbereich nicht relevant. Auch die Fachoberschulen/ Berufsoberschulen setzen ihre Unterrichtsschwerpunkte in Mechanik und Elektrizitätslehre. Gymnasium: Die Stundentafel für die Gymnasien des Landes Thüringen sieht für das Fach Astronomie in Jahrgangsstufe 9 bzw. 10 insgesamt eine Wochenstunde vor; Astronomie wird demnach nur in einer der beiden Jahrgangsstufen unterrichtet. In der Oberstufe handelt es sich dort um ein Wahlpflichtfach. In Bayern stellen die Lehrplaninhalte zur Astronomie in Jahrgangsstufe 10 kombiniert mit der Lehrplanalternative Astrophysik somit ein vergleichbares Unterrichtsangebot dar. Ein Vergleich der Lehrpläne hinsichtlich der zu erwerbenden Kompetenzen zeigt, dass bayerische Schülerinnen und Schüler, welche Astrophysik belegen, Kompetenzen in vergleichbarem Umfang erwerben wie die Schülerinnen und Schüler in Thüringen. Aus diesem Grund sieht das Staatsministerium derzeit keinen Handlungsbedarf, Astronomie am Gymnasium als eigenständiges Fach auch in der Unter- oder Mittelstufe flächendeckend einzuführen. Berufliche Schulen: Aufgrund der begrenzten beruflichen Verwertbarkeit von Astronomiekenntnissen sieht das Staatsministerium keinen Handlungsbedarf im Bereich der beruflichen Schulen, Astronomie-Unterricht einzuführen. – 5 – 3) Kann sich die Staatsregierung vorstellen, ein Modell ähnlich wie in Thüringen auch an bayerischen Gymnasien einzuführen? Aus den Antworten zu Fragen 1) und 2) ergibt sich, dass das Unterrichtsangebot betreffend Inhalte aus der Astronomie an bayerischen und thüringischen Gymnasien vergleichbar ist. In beiden Ländern kann Astronomie bzw. Astrophysik als Fach in der Oberstufe gewählt werden, so dass sich das bayerische Modell der Lehrplanalternative Astrophysik vom thüringischen Modell des Astronomie-Unterrichts im Wesentlichen nicht unterscheidet. Es besteht daher keine Notwendigkeit, am bestehenden Konzept Änderungen vorzunehmen.

Thomas Mütze, 16.04.2013

Beantwortet: Staatsminister Ludwig Spaenle 13.05.2013

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