11. April 2013 | Anfragen und Anträge | Thema: Bildungspolitik | Region: Bayern

Anfrage

von Thomas Mütze

Schriftliche Anfrage der Abgeordneten Renate Ackermann, Thomas Gehring, Maria Scharfenberg, Bündnis 90/DIE GRÜNEN vom 06.02.2013 betreffend „Fachkräftemangel in Kindertageseinrichtungen“ Anlagen 3 Abdrucke dieses Schreibens Sehr geehrte Frau Präsidentin, in Abstimmung mit dem Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus (StMUK) beantworte ich die oben bezeichnete Schriftliche Anfrage wie folgt: Frage 1: Von welcher Personalbedarfsprognose differenziert nach Kinderkrippen, altersgeöffneten Kindertageseinrichtungen, Kindergärten, Horten und Tagespflege geht die Staatsregierung in den kommenden vier Jahren aus? Inwieweit erfordern die Per-sonalprognosen einen weiteren Ausbau der Kapazitäten an den sozialpädagogischen Fachakademien? In welchen Regionen Bayerns besteht schon gegenwärtig ein akuter Mangel an pädagogischem Fachpersonal? Frage 2: Wie entwickelt sich der zusätzliche Bedarf an pädagogischen Fachkräften in Bayern im Zuge des flächen- und bedarfsdeckenden Ausbaus der Betreuungsangebote für Kinder unter drei Jahren? Bis wann will die bayerische Staatsregierung die als bedarfsdeckend anvisierte Betreuungsquote von 37 Prozent für Kinder unter drei Jahren realisieren? In welchen Jahren erwartet die Staatsregierung besondere Spitzen im Personalbedarf und wie werden diese abgedeckt? Zu Fragen 1 und 2: Der Bedarf an pädagogischen Fachkräften in Kindertageseinrichtungen ist abhängig von einer Reihe von Parametern und Variablen. Hierzu zählen einerseits der Ausbau und die weitere qualitative Entwicklung der Kinderbetreuung. Andererseits sind regionale Unterschiede und die reguläre Fluktuation im Berufsfeld (z.B. altersbedingtes Ausscheiden) zu berücksichtigen. Das Ausbautempo im Bereich der Kinderbetreuung bestimmen die Gemeinden, deren Entscheidungen wiederum von verschiedenen Fakto-ren abhängig sind. Der Ausbau der Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren hat bereits in der Vergangenheit zu einem erheblichen Bedarf an Fachkräften in der Kinderbetreuung geführt. So stieg die Zahl des pädagogischen Personals in Bayern seit 2006 insgesamt um 45,2 Prozent, bezogen auf Fachkräfte sogar um 56,4 Prozent, während deutschlandweit die Zahl der Fachkräfte nur um 34,2 Prozent stieg. Tabelle 1: Entwicklung des Personals in Kindertageseinrichtungen von 2006 bis 2012 in Bayern Bayern 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 Zuwachs 2006-2012 Fachkräfte 23.803 26.339 28.308 30.784 32.874 34.527 37.228 56,4% Ergänzungskräfte 21.884 22.897 24.243 25.855 27.578 29.339 29.128 33,1% davon Kinderpfleger/innen 17.068 18.151 19.334 20.748 22.165 23.389 24.941 46,1% insgesamt 45.687 49.236 52.551 56.639 60.452 63.866 66.356 45,2% Quelle: Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung Aufgrund der Datenbasis – es fehlen beispielsweise genaue Zahlen zur altersbedingten Fluktuation des pädagogischen Personals – können keine genauen Prognosen getroffen werden. Beruhend auf Grundannahmen und Erfahrungswerten kann aber davon ausgegangen werden, dass infolge der Verlängerung des Sonderinvestitionsprogramms zum Ausbau der Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren bis zum 31. Dezember 2014 mit einem Personalbedarf in den Jahren 2013/14 von rund 3.000 Fachkräften zu rechnen ist. Darüber hinaus kann derzeit keine Prognose getroffen werden. Dieser Fachkräftebedarf kann zu zwei Dritteln aus den Absolventen und Absolventinnen der Fachakademien für Sozialpädagogik gedeckt werden. Darüber hinaus hat das Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen (StMAS) eine Weiterbildungsoffensive gestartet, bei der rund 1.000 Ergänzungskräfte zu Fachkräften weitergebildet werden. Da es im Bereich der Kinderpfleger/-innen einen Überhang gibt, können die dadurch frei werdenden Stellen der Ergänzungskräfte ohne weiteres über den Arbeitsmarkt gedeckt werden. Tabelle 2: Fachkräfteentwicklung in Bayern für 2013/14 Prognose 2013 2014 Gesamt Zahl der Absolventen p.a. in Bayern vorauss. 2.121 2.395 4.516 abzgl. rd. 750 Absolventen p.a. für die Jugendhilfe 1.371 1.645 3.016 abzgl. 470 Absolventen p.a. für den Ausgleich von Altersfluktuation, Teilzeit und sonstigen Ausfällen 901 1.175 2076 zzgl. 1000 Fachkräfte durch Weiterbildungsoffensi-ve „EK zu FK“ des StMAS in 2013/14 1.401 1.675 3.076 Es wird davon ausgegangen, dass die Spitze des Personalbedarfs bis zum Inkrafttreten des Rechtsanspruchs im August 2013 überschritten sein wird und nach Abschluss des Sonderinvestitionsprogramms im Dezember 2014 erheblich sinken wird. Eine Analyse der regionalen Verteilung offener Stellen zeigt derzeit, dass der Fach-kräftebedarf – absolut betrachtet – in den Regierungsbezirken Oberbayern und Mit-telfranken (infolge der dortigen Ballungszentren München und Nürnberg) am größten ist. Relativ gesehen ist die Anzahl der unbesetzten Stellen pro arbeitsloser Fachkraft in Oberbayern, Mittelfranken und Niederbayern am höchsten. Deshalb wurden Schulneugründungen und Kapazitätserweiterungen vornehmlich in diesen Regie-rungsbezirken vorgenommen. So sind seit 2008 insgesamt 13 neue Fachakademien für Sozialpädagogik, darunter auch vier staatliche Fachakademien, entstanden. Die Zahl der Standorte, an denen Erzieherinnen und Erzieher ausgebildet werden, ist damit von 39 auf 52 Standorte (Schuljahr 2012/2013) angewachsen. Auch zahlreiche bestehende Fachakademien in kommunaler oder privater Trägerschaft haben ihre Ausbildungskapazitäten in den vergangenen Schuljahren erhöht. Das Studienplatz-angebot an Fachakademien für Sozialpädagogik wurde damit seit dem Schuljahr 2007/2008 insgesamt um ca. 500 zusätzliche Plätze erweitert. Die Zahl der Absol-ventinnen und Absolventen der Erzieherausbildung ist dadurch seit 2006 insgesamt um etwa 20 Prozent gestiegen. Aufgrund der bereits erfolgten Schulneugründungen kann von einer weiteren Steigerung der Absolventenzahlen ausgegangen werden. Angesichts der oben dargestellten Prognosen besteht aufgrund des U3-Ausbaus kein Erweiterungsbedarf der Ausbildungsplätze an den Fachakademien für Sozialpädagogik. Frage 3: Welche Auswirkungen hat die Entwicklung der Geburtenrate und der Kinderzahl auf die Personalbedarfsprognosen der kommenden Jahre? Welcher erweiterte Personalbedarf resultiert aus dem im Rahmen der BayKiBiG-Novelle geringfügig verbesserten Anstellungsschlüssel? Welche Personalprognose leitet sich aus dem notwendigen Ausbau der Ganztagsbetreuung ab? Die Bevölkerungszahlen im Bereich der Kinder von null bis sechs Jahren bleiben in den kommenden vier Jahren konstant, der Bereich der Schulkinder sinkt sogar leicht, sodass jedenfalls aufgrund der Bevölkerungsentwicklung nicht mit erheblichen Schwankungen bei den Personalprognosen zu rechnen ist. Tabelle 3: Kinder nach Altersklassen von 2008 bis 2017 Quelle: Regionalisierte Bevölkerungsvorausberechnung, LfStaD Zum 1. September 2012 wurde der förderrelevanten Mindestanstellungsschlüssel von 1:11,5 auf 1:11,0 verbessert. Dies führte umgerechnet zu einem Personalbedarf von 262 Vollzeitstellen. In der Mehrzahl der Fälle der betroffenen Kindertageseinrichtungen hat eine Erhöhung der Arbeitszeitanteile des Teilzeitpersonals ausgereicht, um den neuen Anstellungs-schlüssel erfüllen zu können. Nur ein geringer Anteil der Kindertageseinrichtungen hat die Umstellung auf 1:11,0 bisher noch nicht vollzogen. Seit Inkrafttreten des BayKiBiG im Jahr 2005 hat sich die Buchungszeit sowohl im Bereich der Kinder unter drei Jahren als auch der Kinder von drei Jahren bis zum Schuleintritt bereits um knapp eine Stunde erhöht und liegt zwischen durchschnittlich sechs bis sieben Stunden. Mit einer weiteren signifikanten Erhöhung des Personal-bedarfs wegen längerer Betreuungszeiten ist in den nächsten Jahren nicht zu rechnen. Frage 4: Wie gestaltet sich der zusätzliche quantitative und qualitative Fachkräftebedarf im Zuge der beschleunigten Umsetzung der Inklusion in den bayerischen Kitas? Welche Konzepte verfolgt die Staatsregierung bei der Implementierung multiprofessioneller Teams in den bayerischen Kindertageseinrichtungen? Die Zahl der Kinder mit (drohender) Behinderung in den bayerischen Kindertagesein-richtungen hat sich seit 2005 ständig erhöht. Tabelle 4: Übersicht über die betreuten Kinder mit (drohender) Behinderung und integrative Kindertagesein-richtungen in Bayern jeweils zum 1. Januar 2007 2008 2009 2010 2011 2012 Zuwachs Kinder mit (drohender) Behinderung in Kita u. Tagespflege 4.150 4.814 5.678 6.284 7.307 7.622 um 83,7 % Integrative Einrichtungen iSd. BayKiBiG 512 536 661 713 772 864 um 68,8 % Quelle: StMAS-Statistik Durch die Gewährung eines Gewichtungsfaktor von 4,5, der in den Anstellungsschlüssel angerechnet wird, steigt der Personaleinsatz für die Betreuung von Kindern mit (drohender) Behinderung; die Förderhöhe erhöht sich entsprechend um 350 % im Vergleich zu einem Regelkind, so dass die Träger von Kindertageseinrichtungen ausreichend Sicherheiten bei der Finanz- und Personalplanung haben. Nach einer gemeinsamen Empfehlung des StMAS, der Kommunalen Spitzenverbände und den Spitzenvertretern der freien Wohlfahrtspflege soll in integrativen Einrichtungen pro fünf Kinder mit Behinderung eine zusätzliche Kraft beschäftigt werden. Danach werden bei einem linearen Anstieg der Fallzahlen jährlich etwa 45 pädagogische Kräfte zusätzlich benötigt. Bei der Einzelintegration wird der höhere pflegerische und erzieherische Bedarf in aller Regel durch Reduzierung der Zahl der Kinder in der Einrichtung ausgeglichen. Die klassischen Berufe „Erzieher/-in“ (50 Prozent) und „Kinderpfleger/in“ (36,7 Prozent) nehmen mit Abstand den größten Teil der Berufe in der Kinderbetreuung ein. Daneben sind aber bereits weitere Professionen wie z.B. Diplom-, Sozial-, Kindheits- oder Heil-pädagogen/-pädagoginnen in der Kinderbetreuung tätig. In Zusammenhang mit der Implementierung multiprofessioneller Teams in Kindertagesstätten sind die Projekte „Grundschullehrkräfte im Erziehungsdienst“ und auch die „Weiterqualifi-zierungsmaßnahme Heilerziehungspflegerinnen und Heilerziehungspfleger als Fachkraft in Kindertageseinrichtungen“ zu nennen. Aktuell haben bereits rund 200 Frauen und Männer die Qualifizierung beendet und sind in multiprofessionellen Teams in Kindertageseinrichtungen tätig. Inklusion stellt ein Querschnittsthema dar, zu dem vom Ministerrat am 3. Mai 2011 Schwerpunkte im Lichte der UN-Behindertenkonvention beschlossen wurden. Sie werden in dem Aktionsplan der Bayerischen Staatsregierung für Menschen mit Behinderung (Ministerratsbeschluss vom 12. März 2013) konkretisiert. Frage 5: Welche Maßnahmen unternimmt die Staatsregierung zur Anhebung der bundesweit nied-rigsten Fachkraftquote und zur Verringerung des einmalig hohen Anteils von Kinderpfle-gerInnen in den bayerischen Kindertagesstätten? Wie viele KinderpflegerInnen wurden in den vergangenen fünf Jahren zu pädagogischen Fachkräften weitergebildet? Wie ist die bisherige Resonanz auf die angekündigte Fortbildungsoffensive für berufserfahrene KinderpflegerInnen und Kinderpfleger? Zum Anstieg der pädagogischen Fachkräfte – das sind in der Regel staatlich anerkannte Erzieherinnen und Erzieher – in bayerischen Kindertageseinrichtungen seit 2006 wird auf die Antwort zu den Fragen 1 und 2 verwiesen. Die Aufnahme in das erste Studienjahr der Fachakademie für Sozialpädagogik bzw. die Zulassung zur Abschlussprüfung für andere Bewerber (= Externenprüfung) setzt neben dem mittleren Schulabschluss u. a. eine bestimmte berufliche Vorbildung voraus (vgl. § 4 Abs. 1 bzw. § 38 Abs. 2 der Schulordnung für die Fachakademien für Sozialpädagogik (Fachakademieordnung Sozialpädagogik – FakSozPäd)). Der Berufsabschluss der staatlich geprüften Kinderpflegerin/des staatlich geprüften Kinderpflegers ist nur einer unter vielen möglichen Wegen der beruflichen Vorbildung, der die Zulassung für das erste Studienjahr der Fachakademie für Sozialpädagogik bzw. zur Externenprüfung ermöglicht. Weder bei der Aufnahme in das erste Studienjahr der Fachakademie noch bei der Zulassung zur Externenprüfung wird seitens des StMUK erhoben, welche berufliche Vorbildung die Bewerberinnen/Bewerber mitbringen. Relevant ist nur, dass die einzelne Bewerberin/der einzelne Bewerber die Zulassungsvoraussetzungen der Schulordnung erfüllt. Die Anzahl der staatlich geprüften Kinderpflegerinnen/staatlich geprüften Kinderpfleger, die insgesamt die Aufstiegsfortbildung zur staatlich anerkannten Er-zieherin/zum staatlich anerkannten Erzieher durchlaufen haben, wird nicht erhoben. Über die Entwicklung der Anzahl der Studierenden an Fachakademien für Sozialpädago-gik in den letzten fünf Schuljahren gibt folgende Zeitreihe Auskunft: Tabelle 5: Übersicht zur Zahl der Studierenden an den Fachakademien für Sozialpädagogik in Bayern Schuljahr Anzahl der Studierenden davon im 1. Studienjahr davon im 2. Studienjahr 2007/08 3.981 2.013 1.968 2008/09 4.073 2.127 1.946 2009/10 4.329 2.279 2.050 2010/11 4.526 2.405 2.121 2011/12 4.904 2.509 2.395 Quelle: StMUK Einen wissenschaftlichen Nachweis, dass bayerische Einrichtungen wegen des hohen Anteils an Kinderpflegerinnen einen im Vergleich zu anderen Ländern geringen Quali-tätsstandard aufweisen würden, gibt es nicht. Für die Qualität der Einrichtungen ist die Fachkraftquote ein Kriterium, aber nicht allein entscheidend. Dennoch wird angestrebt, mittelfristig den Anteil an Akademikern in Kindertageseinrichtungen und an Fachkräften mit Fachakademieabschluss zu erhöhen. Der Ausbau der Ausbildungskapazität durch das StMUK wird durch folgende Maßnah-men des StMAS flankiert:  Weiterqualifizierung von Grundschullehrern und Grundschullehrerinnen aus Bayern für eine Tätigkeit als Fachkraft in Kindertageseinrichtungen (bislang vier Kurse für 100 Teilnehmer bewilligt, wovon bereits zwei Kurse abgeschlossen sind).  Schulung von Heilerziehungspflegerinnen und Heilerziehungspflegern für eine Tä-tigkeit in Kindertageseinrichtungen (bislang Kurse für 125 Personen bewilligt mit ca. 70 Fachkräften, die bereits in der Praxis arbeiten).  Fortbildungsoffensive für berufserfahrene Kinderpflegerinnen und Kinderpfleger sowie geeignete Quereinsteiger. Durch die Fördersumme von 2,4 Millionen Euro werden in dieser Maßnahme in 3 unterschiedlichen Modellen pädagogische Fachkräfte berufsbegleitend weiterqualifiziert. Damit sollen insgesamt 1000 zusätzliche Fachkräfte gewonnen werden. Die Resonanz auf die Fortbildungsoffensive für berufserfahrene Kinderpflegerinnen und Kinderpfleger ist sehr positiv. Von den 40 möglichen Kursen zu je 25 Personen ist die Hälfte bewilligt, 13 Interessenbekundungen sind in Bearbeitung (Stand: 18. März 2013). Frage 6: Welche Maßnahmen unternimmt die Staatsregierung zur notwendigen Steigerung der Attraktivität des Erzieherinnenberufes? Welche Schritte unternimmt die Staatsregierung zu einer deutlichen Erhöhung der Männerquote beim Fachpersonal in den Kindertagesstätten? Welche Rahmenbedingungen sind notwendig zur Anhebung des Anteils an Vollzeitbeschäftigungsverhältnissen und zur Aufstockung von Teilzeitverträgen in den bayerischen Kindertagesstätten? Die Aufstockung von Teilzeitverträgen zu Vollzeitbeschäftigungsverhältnissen stellt eine Maßnahme dar, der wir grundsätzlich zustimmen. Die Ausgestaltung von Beschäftigungsverhältnissen betrifft dessen ungeachtet ein Auf-gabengebiet, welches die Träger und die Tarifparteien verantworten. Bei der Stadt München beispielsweise, stehen derzeit 400 offenen Stellen zur Anstellung in Vollzeit zur Verfügung. Teilzeitanstellungen werden aus 3 Gründen von den Erzieher/-innen bevorzugt wahrge-nommen:  Mehrfachbelastung im privaten oder pflegerischen Bereich, wie Kindererziehung oder/und Pflege von Angehörigen.  Streng getaktetes Zeitmanagement der Fachkräfte durch Beruf und Fort- und Weiterbildung, wie beispielsweise Studium Kindheitspädagoge/-pädagogin.  Tarifliche Nachteile bei Wechsel in eine Einrichtung mit längeren Arbeitszeiten Das StMAS unterstützt die Ausgestaltung und Attraktivität der Beschäftigungsver-hältnisse durch unterschiedliche flankierende Maßnahmen:  Bei der Weiterbildungsoffensive „Ergänzungskraft zur Fachkraft“ (EK zu FK) werden die zukünftigen Fachkräfte dadurch gefördert, dass sie sich als mindestens in Teilzeit tätige Ergänzungskraft berufsbegleitend weiterbilden können. Zur weitergehenden Be-schäftigung wird die Empfehlung zur Vollzeitanstellung ausgesprochen.  Im Boys´ Day, dem Jungen-Zukunftstag in Bayern, wird gezielt um Männer in sozialen Berufen geworben.  Die Öffentlichkeitskampagne „Herzwerker“ wurde ins Leben gerufen, um junge Menschen, insbesondere Männer, für soziale Berufe zu gewinnen.  Bayern nimmt teil am Projekt „ Mehr Männer in KITAS“, um innovative Ideen zu erpro-ben. Die für Bayern vorliegenden aktuellen Daten zur Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigung des pädagogischen Personals in Kindertageseinrichtungen lauten wie folgt: Tabelle 6: Übersicht des pädagogischen Personals in Bayern nach Arbeitszeiten Std. Erzieher/-innen in % Kinderpfleger/ innen in % Kindheitspädagogen/ -pädagoginnen in % 38,5 14.145 41,5 % 9.564 38,3 % 61 55,5 % 32-38,5 5.581 58,5 % 3.874 61,7 % 14 44,5 % 21-32,5 8.433 7.436 23 10-21 4.520 3.503 8 < 10 1.400 564 4 Gesamt 34.097 100 % 24.941 100 % 110 100 % Quelle: Kinder und Jugendhilfestatistik des Bayerischen Landesamtes für Statistik und Datenverarbeitung Der relativ hohe Anteil an Teilzeittätigkeit lässt sich nur in Maßen erhöhen, weil viele Erzieher/innen und Kinderpfleger/innen Teilzeittätigkeit bewusst bevorzugen. Frage 7. Wie hat sich die Zahl der Zulassungen von KinderpflegerInnen und von Personen mit abgeschlossener Berufsausbildung zur sog. Externenprüfung in den vergangenen vier Jahren entwickelt? Wie viele GrundschullehrerInnen und HeilerziehungspflegerInnen haben sich aufgrund der neuen Kursangebote in Bayern zu pädagogischen Fachkräften umschulen bzw. weiterbilden lassen? Wie hat sich die Zahl der TeilnehmerInnen an den Angeboten der berufsbegleitenden Teilzeitausbildung in den vergangenen vier Jahren entwickelt? Folgende Zeitreihe gibt Auskunft über die Anzahl der anderen Bewerber (= Teilnehmer an der Externenprüfung) an der Fachakademie für Sozialpädagogik in den vergangenen vier Jahren: Tabelle 7: Anzahl der Teilnehmer an der Externenprüfung Schuljahr Anzahl der anderen Bewerber bei der Abschlussprüfung Erfolgsquote 2008/09 218 92,20 % 2009/10 150 84,00 % 2010/11 242 80,99 % 2011/12 268 88,81 % Quelle: StMUK Folgende Zeitreihe gibt Auskunft über die Anzahl der Studierenden der Fachakademie für Sozialpädagogik in Teilzeitform in den letzten vier Jahren: Tabelle 8: Anzahl der Studierenden in Teilzeitform Schuljahr 2008/09 2009/10 2010/11 2011/12 Anzahl der Studierenden 21 126 146 246 Quelle: StMUK Speziell für berufstätige Kinderpflegerinnen und Kinderpfleger ist die Teilzeitausbildung ein attraktives Angebot, da die Ausbildung neben der Berufstätigkeit stattfindet. Was das neue Kursangebot zur Weiterqualifizierung von Grundschullehrkräften und Heilerziehungspfleger/inne/n zu Fachkräften in Kindertageseinrichtungen betrifft, wurden sechs Kurse für Grundschullehrkräfte und fünf Kurse für Heilerziehungspfleger/innen zu jeweils maximal 25 Personen angeboten. Einige Kurse sind noch nicht abgeschlossen. Frage 8. Wie steht die Staatsregierung zu Forderungen nach einer Verkürzung der Ausbildungs-zeit für Erzieherinnen und Erzieher auch für Bewerber mit einem mittleren Schulabschluss? Würde die Staatsregierung bei einer generellen Verkürzung der Erzieherausbildung einer Verkürzung des Sozialpädagogischen Seminars auf ein Jahr oder einer Streichung des Berufspraktikums am Ende der Ausbildungszeit den Vorzug geben? Wie beurteilt die Staatsregierung den Modellversuch einer praxisintegrierten Ausbildung in Baden- Württemberg, nachdem die Auszubildenden einen Ausbildungsvertrag mit der jeweiligen Kindertagesstätte schließen, der auch eine Festlegung der Vergütung beinhaltet und den Einrichtungen eine Anrechnung der Auszubildenden auf die Fach-kraftquote ermöglicht? Das StMUK hat prüfen lassen, ob eine Reform der Ausbildung zur staatlich anerkannten Erzieherin/zum staatlich anerkannten Erzieher weitere Bewerbergruppen für die Ausbildung ansprechen würde. Es wurden unterschiedliche Modelle einer Ausbildungs-reform erarbeitet, die jedoch immer mit Nachteilen behaftet sind. Nach ausführlicher Diskussion bestand Einverständnis darüber, dass eine Verkürzung nicht der richtige Weg ist, die Attraktivität der Ausbildung zur staatlich anerkannten Erzieherin/zum staatlich anerkannten Erzieher zu erhöhen. Das StMUK verfolgt die in Baden-Württemberg ab dem Schuljahr 2012/13 im Schulversuch erprobte praxisintegrierte Ausbildung zur staatlich anerkannten Er-zieherin/zum staatlich anerkannten Erzieher aufmerksam. Diese Ausbildung erstreckt sich über drei Jahre und gliedert sich in theoretische Ausbildungsanteile an der Fach-schule für Sozialpädagogik und praktische Ausbildungsanteile in sozialpädagogischen Einrichtungen. Schülerinnen/Schüler schließen mit der Praxiseinrichtung einen Ausbildungsvertrag, erhalten eine Ausbildungsvergütung und haben Urlaub statt Schulferien. Schon während der Ausbildung können die Schülerinnen/Schüler als „Fach-kraft in Ausbildung“ (bis zu 0,4 Stellenanteil in jedem Ausbildungsjahr) auf den Stellenschlüssel angerechnet werden. Die Gesamtausbildungsdauer der Auf-stiegsfortbildung zur staatlich anerkannten Erzieherin/zum staatlich anerkannten Erzieher ändert sich durch den Schulversuch „Praxisintegrierte Ausbildung zum/zur Erzieher/-in (PIA)“ in Baden-Württemberg nicht. Jedoch kann der Bedarf an Erzieherinnen und Erziehern durch die Anrechnung der Schülerinnen/Schüler auf den Stellenschlüssel rein rechnerisch abgemildert werden. Das StMUK wartet erste Ergebnisse von PIA ab und wird dann erneut prüfen, ob ggf. die Erprobung eines neuen Ausbildungsmodells (vergleichbar mit dem baden-württembergischen Modell) einzuleiten ist. Thomas Mütze, 06.02.2013

Beantwortet: Frau Staatsministerin Christine Haderthauer 18.03.2013