4. Dezember 2012 | Pressemitteilungen | Thema: -- Allgemein -- | Region: Bayern
Pressemitteilungen 04.12.2012 Wie die Grünen im Bayerischen Landtag mitteilen, haben ihre Recherchevorstöße im NSU-Untersuchungsausschuss neue Erkenntnisse zutage gefördert. „Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos waren öfters in Bayern anwesend als bisher bekannt“, erklärt das grüne Mitglied des NSU-Untersuchungsausschusses, Susanna Tausendfreund. So hätten sich nach einem grünen Beweisantrag Vermutungen bestätigt, dass beide in den 90er Jahren in der Nürnberger Gaststätte „Tiroler Höhe“ gewesen sind und sich dort mit bayerischen Neonazis getroffen haben. Am 18.2.1995 war Uwe Mundlos nach dem Besuch einer Veranstaltung dort bei einer Kontrolle auf der Autobahn registriert worden, außerdem erscheinen sowohl Böhnhardt als auch Mundlos auf einer Liste der Polizeidirektion Nürnberg vom 21.09.1996, die Personen der rechten Szene erfasst.

Nach Recherchen des Magazins „Kontrovers“ des Bayerischen Rundfunks haben sich in dieser Gaststätte, die in der Nähe von zwei der Tatorte der NSU Morde liegt, in den 1990er Jahren Rechtsradikale aus dem ganzen Bundesgebiet getroffen. Neben verschiedenen Kontakten zu bayerischen Neonazis, unter anderem auch der in der Presse als V-Mann des Bayerischen Landesamtes für Verfassungsschutz bezeichneten Kai D., habe sich auch die Telefonnummer des Lokals „Tiroler Höhe“ auf der so genannten Garagenliste befunden: 1998 war nach dem Untertauchen des Terror-Trios in deren Garage der Fluchtrucksack von Uwe Mundlos gefunden worden mit einer Telefon- und Kontaktliste. Die Grünen hatten nach dem Kontrovers-Beitrag einen Beweisantrag gestellt, alle Informationen zur Nähe des Trios nach Nürnberg und der Gaststätte „Tiroler Höhe“ offen zulegen.

„Die neuen Erkenntnisse belegen erneut die Relevanz dieser Garagenliste und bestätigen unsere Vermutung, dass die Kontakte des späteren Terrortrios nach Bayern enger waren als bisher bekannt“, so der Grüne Abgeordnete Thomas Mütze. „Bleibt die Frage, warum die Polizei diese Verbindung nicht von sich aus erkannt und aufgedeckt hat, sondern erst unser Beweisantrag diese Erkenntnisse ans Licht bringen musste.“

Die Schriftstücke, die die beiden Besuche in der Nürnberger Gaststätte belegen, werden gerade vom Generalbundesanwalt auf ihre Ermittlungsrelevanz überprüft und dem NSU-Untersuchungsausschuss daher vorerst nicht vorgelegt.